Die Bologna-Reform hat es nicht einfacher gemacht, ein Auslandssemester zu absolvieren, denn den Bachelor-Studenten fehlt es häufig an der notwendigen Zeit. Zwar hängt ein Wechsel an eine internationale Universität auch noch von den belegten Fächern ab. Aber Tatsache ist, dass der herrschende Tempowahn die Bachelor-Studenten durch das Studium treibt.
Reformziel verfehlt
Ziel der Bologna-Reform war es unter anderem auch, dass die Auslandsaufenthalte der Studenten steigen sollen, weil diese Erfahrungen für den Studierenden von Wichtigkeit sind. So wurde auf der Bologna-Konferenz auch verkündet, dass immer mehr Bachelor-Studenten in das Ausland gehen. Allerdings wurde diese Aussage wieder korrigiert, denn gemessen an der Zahl der Studenten war keine Steigerung der Annahme eines Auslandssemesters erkennbar. Im Gegenteil, in einigen Fächern sank diese Zahl sogar. Das belegt eine Studie der HIS (Hochschul-Informations-System GmbH), die u.a. vom Deutschen Akademischen Austauschdienst beauftragt wurde. Das Versprechen dieser europaweiten Reform der Studiengänge, die es sich auf die Fahnen geschrieben hatte, die Mobilität der Studierenden jungen Menschen zu fördern, wurde bislang nicht eingelöst. Studienplätze und Fremdenzimmer für die Studenten waren im Ausland vorhanden, aber die knappe Studienzeit im Inland blockiert den Traum des Auslandsemesters bei den meisten Studierenden.
Studium im Schnelldurchgang
In Zeiten der Globalisierung sollten möglichst viele deutsche Studierende im Ausland Erfahrungen sammeln können. Dieses Ideal wird sowohl von der Politik, als auch von den Hochschulen und der Wirtschaft immer wieder betont. Die Studierenden würden selbstverständlich auch gerne ein Fremdenzimmer mieten und ein Auslandssemester absolvieren. Die Begrenzung der Regelstudienzeit auf nur sechs Semester hält jedoch die Studierenden zurück. Ein Auslandssemester bedeutet für sie nämlich bei den straffen Abläufen in den Bachelorstudiengängen einen großen Zeitverlust. Die Teilnehmer eines Master-Studiengangs wiederum wählen sehr viel häufiger einen Auslandsaufenthalt. Das aber liegt auch daran, dass Phasen im Ausland verpflichtend absolviert werden müssen. Ein Auslandssemester ist eine Bereicherung für jeden Studierenden. Das wurde in der Bologna-Reform erkannt und festgeschrieben. Der Zeitraffer jedoch, in dem das Bachelor-Studium durchgezogen werden muss, steht diesem Auslandssemester entgegen. Eine Möglichkeit hier Abhilfe zu schaffen, wäre vielleicht ein Zeitfenster, wie es Prof. Heublein vorgeschlagen hatte, das reserviert wäre für Praktika und Studiensemester an ausländischen Hochschulpartnern.
Foto: Robert Kneschke-Fotolia.de
Keine Kommentare
Sei der Erste, der einen Kommentar schreibt.